Stellt euch vordas Leben findet in einem Theater statt. Wie gelangt man dort hinein? Man könnte doch auch draußen die Freiheit genießen. Das kommt dadurch, dass man die Menschen in jungen Jahren mit viel Hinterlist, manche sagen dazu Pädagogik, ins Schauspielhaus lockt. Die Kunst der Pädagogen besteht darin, diese junge Menschen auf die Stühle zu setzen, obwohl Kinder lieber herumlaufen Theaterstuhlund alles erkunden wollen. Die Stühle gewährleisten, dass sie nur auf die Kulissen schauen können, und nicht hinter sie. Kinder ohne Sitzzwang würden schnell herausfinden, wo es auf die Bühne geht, und dass die stabile Betonwand nur Kulisse ist und aus Sperrholz besteht. Sie würden daran wackeln und wahrscheinlich würde dabei die eine oder andere Wand umfallen oder würde Risse und Löcher bekommen. Kinder die aufstehen oder in eine andere Richtung schauen wollen, werden gemaßregelt. Mithilfe von Musik, Dramaturgie, bunten Farben, hellem Licht, Nebel und anderen Effekten schauen sie wie hypnotisiert in die vorgegebene Richtung. Wer die Idee hat selbst zu reden und zu singen, bekommt von seinen Mitmenschen böse Blicke und strenge „Pssts“ zu hören. Manche kommen auf die Idee, ihren Stuhl zu verrücken. Sie erblicken dann vielleicht ein kleines Stück von der Kulissenrückwand. Dann kommen die Platzanweiser und rücken die Kinder wieder auf ihren vorgesehenen Platz zurück. Es muss nicht viel Gewalt angewendet werden. Die Platzanweiser sind gut geschult und manövrieren die Kinder mit ihren Künsten wieder auf die Plätze. Ganz selten kommt es vor, dass ein Kind aufsteht und herum rennt. Dann muss es vielleicht in eine Sondervorstellung gehen. Bis es wieder gelernt hat, so brav zu sitzen wie alle Anderen. Komischerweise kommt niemand auf die Idee, das Theater zu verlassen oder auf die Bühne zu gehen und mitzuspielen.
Neben den erwachsenen Schauspielern spielen auch Schauspielkinder auf der Bühne mit. Sie verhalten sie etwas merkwürdig und kommen nicht mit den Zuschauerkindern in Kontakt. Die Zuschauerkinder bewundern die Schauspielkinder, denn sie wissen nicht, dass diese Kinder hinter den Kulissen ein sehr grausames und trauriges Leben führen.
Sitzt man einige Jahre so da, hat man irgendwann gar keine Lust mehr aufzustehen und neugierig herumzulaufen. Das ist der Moment, an dem die Platzanweiser sich verabschieden. Sie holen sich neue Kinder in eine andere Vorstellung. Die laufende Vorstellung ist ja immer noch besetzt. Ab und an kommt es auch mal vor, dass erwachsene Zuschauer sich bis an die Seite verrücken und den hinteren Teil der Bühne erblicken. Diesen Anblick empfinden sie mittlerweile als sehr unschön und verstörend. Sie senken ihren Blick und rücken sich schnell wieder in ihre heimelige Zuschauergemeinschaft zurück.
Es braucht dazu keine Aufpasser mehr.